„Verbindungsstudenten sind ein Haufen von verhetzten, irregeleiteten, versoffenen, farbentragenden jungen Deutschen!“ (Kurt Tucholsky)

Narben im Gesicht, mit Band und Mütze uniformiert, volkstümelnde Liederabende, aufgezwungene Saufrituale: Studentische Verbindungen (Korporationen) erscheinen oft als anachronistische Männerbünde. In Freiburg gibt es über 30 davon. Darunter konfessionelle Verbindungen, Burschenschaften, Corps, Landsmannschaften, Sängerschaften und Turnerschaften. Sie alle leben vom Festhalten an Traditionen, das sich zumeist in einem strukturellen Konservatismus und einer ideologischen Rückwärtsgewandtheit niederschlägt:

Frauen, Transgender, Intersexuelle und alle anderen, die nicht als männlich gelten, werden in den meisten Verbindungen von vornherein von der Mitgliedschaft ausgeschlossen und sind nur bei einzelnen Veranstaltungen erwünscht. Es wird ein antiquiertes Männlichkeitsideal propagiert und praktiziert. Körperliche Härtetests und Tauglichkeitsprüfungen, durch welche die Burschen ihre „weiblichen“ Charakterzüge wie Angst oder Schwäche überwinden sollen, gehören bis heute zum Brauchtum vieler Verbindungen, die Mensur ist das wohl bekannteste Beispiel. Oft schlägt sich diese Praxis auch in Sexismus und Homophobie nieder. Die meisten katholischen Verbindungen sind zwar nichtschlagend, meist jedoch nicht weniger sexistisch, nur wird dies bei ihnen religiös begründet.

Die meisten Verbindungen verstehen sich zudem als gesellschaftliche Elite, die eine antiegalitäre Führungsrolle gegenüber der „Masse“ beansprucht. Dieses Elitedenken wird durch eine streng hierarchische Struktur, „charakterbildende“ Rituale wie dem Fechten, sowie durch das Tragen von Uniformen gepflegt. Durch das „Lebensbundprinzip“ bilden sich Seilschaften heraus, über die Korporierte auf undemokratischem Weg in Führungspositionen untergebracht werden. So sah der ehemalige Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU) die Aufgabe seiner (Corps-)Verbindung darin, „auch weiterhin national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft zu entsenden.“

Das politische Spektrum im verbindungsstudentischen Milieu reicht – von einigen Ausnahmen abgesehen – von konservativen Ansichten bis hin zu rechtsextremen und faschistischen Tendenzen. Weit verbreitet ist insbesondere Nationalismus und völkisches Denken. Besonders hervorzuheben ist dabei der Dachverband der „Deutschen Burschenschaft“ (DB), die in den letzten Jahren immer wieder wegen ihrer rechten Umtriebe in die Schlagzeilen geraten war – zuletzt wegen des sogenannten Ariernachweises, der als Voraussetzung für die Mitgliedschaft durchgesetzt werden sollte. Auf dem Burschentag 2012 in Stuttgart übernahmen die völkischen Bünde endgültig das Ruder im Dachverband, der nach wie vor eine Brutstätte für deutschnationales, rassistisches und geschichtsrevisionistisches Gedankengut ist.

Gewiss gibt es zwischen einzelnen Verbindungen Unterschiede und niemand behauptet, dass alle Verbindungsmitglieder Nazis sind. Dennoch trifft die Kritik auf den ganz überwiegenden Teil zu. Einer befreiten Gesellschaft stehen sie damit entgegen. Auch der in den letzten Jahren deutlich zugenommene Nachwuchsschwund macht deutlich, wie überholt das Modell der studentischen Verbindung ist und wie es an gesellschaftlicher Akzeptanz verliert.

Diese Internetseite soll dazu beitragen, einen kritischen Blick auf das Verbindungswesen in Freiburg zu werfen, darüber aufzuklären und dessen Ablehnung von weiten Teilen der Studierendenschaft und vielen anderen Menschen zum Ausdruck zu bringen.