Die Akademische Rechte in Freiburg – eine Bestandsaufnahme

Einleitung

Dass Studentenverbindungen bundesweit enge Verbindungen zu rechten Strukturen haben, ist nichts Neues. Immer wieder gibt es Berichte über aktive Nazis, die Mitglieder von Verbindungen waren und sind. Insbesondere der rechte Burschenschaftsverband „Deutsche Burschenschaft (DB)“ machte in der Vergangenheit vermehrt auf sich aufmerksam, z.B. mit der Diskussion um die Einführung eines sogenannten Ariernachweises für Mitglieder.

Auch in Freiburg tut sich ein Teil der studentischen Verbindungen in den letzten Jahren vor allem durch ihre Nähe zu rechten Akteuren hervor. Das mag angesichts der seit jeher in Studentenverbindungen vorherrschenden sexistischen, nationalistischen und elitären Vorstellungen wenig verwundern – zu problematisieren und skandalisieren ist es allemal.

Daneben mehren sich in letzter Zeit die Versuche von Seiten einiger Verbindungen, die Freiburger Studierendenvertretung zu destabilisieren. Dieses aktive Vorgehen gegen das basisdemokratisch orientierte Modell der Verfassten Studierendenschaft zeugt von einer antidemokratischen Haltung, die sich nicht zuletzt auch in den hierarchischen und elitären Strukturen der Studentenverbindungen wiederspiegelt.

Wir werden im folgenden Text versuchen, näher auf einige Freiburger Verbindungen, Strukturen und Ereignisse einzugehen. Die Auswahl erfolgte aufgrund der unserer Meinung nach großen Relevanz für das Verständnis über die Zusammensetzung und die Vorgehensweise der akademischen Rechten in Freiburg. Um Übersichtlichkeit zu wahren kann hier nicht auf alle Akteure, insbesondere nicht auf alle Verbindungen eingegangen werden. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass die hier nicht erwähnten Studentenverbindungen alle eine weiße Weste hätten. Allen gemeinsam ist ein konservatives, sexistisches, elitäres, chauvinistisches und nationalistisches Weltbild, welches jeder Vorstellung von einer Welt ohne Diskriminierung zuwider läuft.

Vorweg: Der nachfolgende Text ist keine abschließende Recherche. Wir haben bei unseren Nachforschungen ausschließlich auf öffentlich zugängliche Quellen zurückgegriffen. Detaillierte Beschreibungen von Organisationen und Strukturen sind somit nur eingeschränkt möglich. Nichtsdestotrotz haben wir viel Mühe und Zeit investiert, um euch einen möglichst breiten und genauen Überblick über die Personen und Organisationen der akademischen Rechten in Freiburg zu bieten. Wir freuen uns über Feedback an: info@falsch-verbunden.net

 

 

Die Junge Alternative Freiburg und die Burschenschaft Saxo-Silesia

Als der Dreh- und Angelpunkt der akademischen Rechten in Freiburg kann zweifellos die „Junge Alternative (JA)“ angesehen werden. In dem örtlichen Ableger des Jugendverbandes der Alternative für Deutschland (AfD) sammeln sich reaktionäre Burschenschafter und Neue Rechte.

Schon seit ihrer Gründung im August 2015 ist die JA Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald vor allem durch ihre Nähe zu rechten Akteuren aufgefallen. So präsentierten sich einige Mitglieder stolz auf einem Foto, dass sie bei der Sommerakademie des Instituts für Staatspolitik (IfS) in Schnellroda vom 28. – 30. August zeigt.

Das IfS kann der sogenannten „Neuen Rechten“ zugeordnet werden und wurde im Jahre 2000 unter anderem von Götz Kubitschek gegründet. Dieser ist nebenbei noch als Redakteur für die ebenfalls rechte Zeitschrift Sezession tätig und trat als Redner bei Pegida in Dresden und Leipzig auf. Gute Kontakte bestehen des Weiteren zu der neurechten „Junge Freiheit“ und diversen Akteuren der (Neuen) Rechten.1

Anscheinend ebenfalls teilgenommen an der Sommerakademie 2015 in Schnellroda haben Mitglieder der Burschenschaft Normannia Jena, deren ehemaliges (Gründungs-) Mitglied Tino Brandt vor allem wegen seiner Nähe zum NSU Aufmerksamkeit erregt hat.2 Der ex-NPD-Landesvizevorsitzende von Thüringen sitzt übrigens seit Dezember 2014 eine 5 ½ – jährige Freiheitsstrafe ab.3

Auf dem Foto bei der Sommerakademie des IfS sind unter anderem die Freiburger Dubravko Mandic, Marcel Wolle und Leo Gronbach zu sehen.

Mandic ist als stellvertretender Sprecher der JA Freiburg kein unbeschriebenes Blatt. Der Rechtsanwalt ist unter anderem Mitglied der Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia und machte in der Vergangenheit vor allem mit rassistischen und sexistischen Äußerungen und seiner Nähe zu rechten Akteuren auf sich aufmerksam.

So bezeichnete er Barack Obama als „Quotenneger“ und versuchte vor Gericht die Vergewaltigung eines Mädchens durch einen Mandanten zu rechtfertigen. Diese habe seinen Mandanten „offensiv angetanzt“ und so sexuell erregt.4

Mandic arbeitet übrigens in der Freiburger Kanzlei „Knapp Anwälte“, dessen Namensgeber und Gründer Andre Knapp Mitglied der Burschenschaft Teutonia Freiburg ist.5

Während die Burschenschaft Teutonia 2013 aus dem rechten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ ausgetreten ist, blieb dieser Schritt bei der Saxo-Silesia bisher aus. Weitere Infos zu Mandic findet ihr hier6 und hier7.

Ebenfalls Mitglied der Burschenschaft Saxo-Silesia ist der Pressesprecher der JA Freiburg Marcel Wolle. Wolle tut sich neben seiner Mitgliedschaft in der Saxo-Silesia vor allem durch seine rechten Äußerungen hervor. So teilt er auf seiner Facebook-Seite gerne Artikel des rechten Internetportals PI-News . Des Weiteren ruft er zur Teilnahme an Pegida-Demonstrationen auf und will den „AntiFa e.V.“ verbieten lassen (sic!). Zu seinen „Gefällt mir“-Angaben gehören neben der neurechten „Identitären Bewegung“, „Blaue Narzisse“ und „Junge Freiheit“ auch der extrem rechte „Front National“ aus Frankreich und der rechte Politiker „Hans-Christian Strache“ aus Österreich.

Wolle absolvierte zudem im Sommer 2015 ein Praktikum in der Kanzlei von Dubravko Mandic.

Neben Marcel Wolle und Dubravko Mandic ist auch Leo Gronbach aus Freiburg auf dem Foto in Schnellroda zu sehen. Gronbach ist Beisitzer in der JA Freiburg und fällt vor allem durch seine Nähe zur „Identitären Bewegung (IB)“ auf.

Die IB ist dem Lager der sogenannten „Neuen Rechten“ zuzuordnen und entstand zunächst in Frankreich. Mit ihren modernen Aktionsformen wie etwa Flashmobs und ihrer starken Internetpräsenz zieht sie vor allem junge Menschen an. Ihre rassistische und nationalistische Ideologie zeugt hingegen von einem veralteten Weltbild. Des Öfteren fallen Mitglieder der IB durch Angriffe auf Migrant_Innen und Linke auf. Die Kontakte zur „klassischen“ deutschen Rechten sind gut, die Übergänge sowohl ideologisch als auch personell fließend.8 Eine ausführliche Beschreibung und Einordnung der IB gibt es hier9 und hier10.

Regelmäßig ist Gronbach auf den Facebook-Seiten der IB-Baden und IB-Freiburg unterwegs und hinterläßt hier und dort ein „Gefällt mir“. Gronbach scheint zudem eines der aktivsten Mitglieder der JA-Freiburg zu sein. So ist er auf nahezu jedem Foto, welches die JA der Öffentlichkeit präsentiert, zu sehen.

Neben Gronbach scheint auch Marco Näger ein gutes Verhältnis zur Identitären Bewegung zu pflegen. Der Schatzmeister der JA Freiburg klickt bei nahezu jedem Beitrag der IB Freiburg und der IB Baden auf „Gefällt mir“. Näger war zudem mit weiteren JAlern im Januar 2016 zu Besuch bei der rechten Schweizer Partei SVP.

Auch Reimond Hoffmann hinterlässt regelmäßig ein „Gefällt mir“ auf der Facebook-Seite der Identitären Bewegung . Hoffmann gilt als der Kopf hinter der Antifeminismus-Kampagne der JA Baden-Württemberg und macht daneben vor allem mit Pöstchensammlerei und Hetze gegen linke Strukturen von sich reden.11 Wenig überraschend ist er außerdem wie viele seiner JA-Kollegen Mitglied der Burschenschaft Saxo-Silesia.

Neben der offensichtlich engen personellen Verbundenheit zwischen IB und JA Freiburg sind auch die inhaltlichen Überschneidungen bemerkenswert. So werden auf der Facebook-Seite JA Freiburg regelmäßig rassistische Posts der IB geteilt. Unter anderem wurde auch für von der IB veranstaltete Kampfsport-Kurse geworben. Ebenso wurde die eigene Teilnahme an der rassistischen „Wir sind die Grenze“-Demo am 12.12.2015 in Freilassing angekündigt. Dort marschierten unter dem Motto „Asylwahn stoppen – Macht die Grenzen dicht!“ hauptsächlich rechte Identitäre und Nazis aus dem deutschen und österreichischem Gebiet.

Personelle Überschneidungen zwischen beiden Gruppierungen scheinen nicht nur wahrscheinlich, vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei der JA und der IB Freiburg um zumindest teilweise die selben Personen handelt.

Neben der offensichtlichen Nähe zur IB macht die JA Freiburg aber auch anderweitig von sich reden. So waren einige Freiburger bei der AfD-Demo am 9.10.2015 in Erfurt anwesend, unter anderem der oben schon erwähnte Marcel Wolle sowie der Sprecher der JA Freiburg Philipp Schuster. Während der Demonstration kam es zu mehreren Übergriffen auf Gegendemonstrant_Innen. So gab es beispielsweise Böllerwürfe auf gegen den rassistischen Aufmarsch demonstrierende Antifaschist_Innen. Mehrere AfDler wurden von der Polizei festgenommen12.

Ein weiteres Beispiel für die Verstrickungen der JA Freiburg mit der (neu-)rechten und rechts-konservativen Szene ist Andreas Schumacher. Schumacher ist auch im Bundesvorstand der Jungen Alternative aktiv. Bekannt sein dürfte er vor allem wegen seiner Rede bei der sogenannten „Demo für alle“ am 11.10.2015 in Stuttgart.13

Die „Demo für alle“ ist ein Sammelbecken religiöser, rechtspopulistischer und offen faschistischer Kräfte. Wir zitieren an dieser Stelle das Stuttgarter Aktionsbündnis gegen die „Demo für alle“:

„(…) die Allianz aus Konservativen und Rechten verschiedenster Spektren weit mehr vereint als der Wunsch, ein rückständiges Familienbild als gesellschaftliche Norm zu wahren. Ziel der Bewegung ist ein gesellschaftlicher Rollback, d.h. der Rückfall in überwundene gesellschaftliche Zustände wie bspw. die Propagierung der Ungleichwertigkeit der Geschlechter. Hier findet der Schulterschluss zwischen konservativen, religiös-fundamentalen und offen rechten und faschistischen Gruppen und Organisationen statt. Der Wunsch nach der traditionellen Ehe und Familie, die als Lösung für gesellschaftliche Probleme präsentiert wird, ist wahlweise religiös oder völkisch-nationalistisch motiviert.“14

Schumachers rechtes Weltbild manifestiert sich jedoch nicht nur in seiner Teilnahme an der „Demo für alle“. So besuchte er im Januar 2016 gemeinsam mit weiteren JAlern die rechtspopulistische „Schweizerische Volkspartei (SVP)“. Auf Facebook gefällt ihm neben der SVP, Pegida und der Jungen Freiheit übrigens auch die Burschenschaft Saxo-Silesia.

Zu seinen Freunden zählt er unter anderem den Göttinger Nazi-Burschenschafter Lars Steinke. Steinke ist Vorsitzender der Jungen Alternativen Hochschulgruppe in Göttingen und außerdem Vorsitzender des Bezirksverbandes Braunschweig der Jungen Alternative.15 Lokale Strukturen bezeichnen ihn als eine „zentrale Figur und Knotenpunkt“ zwischen AfD, „besorgten Bürgern“, NPD und anderen Nazis.16 Im Fokus linker Gruppen ist Steinke vor allem aufgrund seiner Aktivitäten als Hauptorganisator von faschistischen Kundgebungen im Göttinger Umland, bei denen neben AfDlern und Burschenschaftern vor allem lokale Nazis anwesend sind.

An einem weiteren Aktiven der JA Freiburg lässt sich hervorragend die enge Verzahnung des Verbindungsmilieus mit der aktiven Rechten in Freiburg aufzeigen: Moritz Busam.

So war der Medizinstudent Busam zunächst Mitglied der Burschenschaft Alemannia. Noch am 3.11.2015 postete er auf seiner Facebook-Seite einen Beitrag zu der Debatte um falsch-verbunden. Diesen unterschrieb er als Z! Xx der Burschenschaft Alemannia. Auch auf diversen Ausflugsfotos der Alemannia ist er zu sehen. Ebenso bei dem maßgeblich von der Burschenschaft Alemannia organisierten Studentenball im Januar 2015 im Peterhofkeller.

Wenig später deutet sich jedoch schon der Umzug an und zuletzt postete er ein Foto des Hauses der Saxo-Silesia. Mittlerweile scheint er sich in den Farben der Saxo-Silesia recht wohl zu fühlen, so posiert er seit neuestem mit männlichem Gehabe in Schärpe und mit Degen.

Die neuen Kontakte zur Saxo-Silesia scheinen seiner Karriere gut getan zu haben und so ist Busam mittlerweile im Vorstand der JA Südbaden aktiv. Als Schatzmeister arbeitet er dort unter anderem mit den oben schon erwähnten Freiburger JAlern Mandic, Gronbach, Näger und Schuster zusammen. Übrigens: Busam geht leidenschaftlich gerne auf Hardcore-Konzerte…was die anderen Konzertgänger_Innen wohl von seinen rechten Umtrieben halten werden?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Junge Alternative in Freiburg sowohl inhaltlich, als auch personell dem rechten Rand nahe steht. In ihr versammeln sich Vertreter der Neuen Rechten, wie auch Burschenschafter. Insbesondere die enge Verbindung zur Burschenschaft Saxo-Silesia ist hier bemerkenswert.

 

Campus Reformer und Burschenschaft Alemannia – alles liberal, oder was?

Im Zuge der Zerwürfnisse zwischen dem ehemaligen AfD-Bundesvorsitzenden Bernd Lucke und seiner Partei kam es zur Abspaltung einiger Mitglieder, die sich fortan unter dem Label „Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA)“ versammelten. Auch in Freiburg vollzog sich im Sommer 2015 eine Trennung und so nannten sich dieselben Personen, die zuvor noch in der AfD-Hochschulgruppe aktiv waren, nun „Campus Reformer Freiburg“. ALFA und Campus Reformer geben sich gerne liberal und es wird sich in der Öffentlichkeit formal von den einstigen Mitstreitern von JA und AfD abgegrenzt. Der Austritt erfolgte mit einer Erklärung, die die bestehende Nähe zu Nazis und rechten Akteuren bei der AfD und JA kritisiert.17 Zudem erregte die Gründung der Campus Reformer offensichtlich den Zorn einiger aktiver AfDler und JAler in Freiburg, wie sich an diversen Facebook-Kommentaren erkennen lässt. Also doch alles okay?

Nicht ganz! Die auf den ersten Blick positiv wirkende Abkehr von rechten Akteuren und Ideologien erscheint bei einer näheren Betrachtung als geradezu heuchlerisch. Zuerst einmal ist anzumerken, dass sich aus der entsprechenden Erklärung18 keine grundlegende und weitergehende Kritik an den rechten Positionen innerhalb der AfD und JA herauslesen lässt. Vielmehr scheint es den Unterzeichnenden um ihr Image und das der Partei zu gehen. Kritisiert wird das offene Vertreten von rassistischen Positionen, da diese zu einem schlechten Ruf der Partei führen und potentielle junge Nachwuchskräfte abschrecken würden. Mit einer weitergehenden Auseinandersetzung mit Rassismus und Nationalismus hat das rein gar nichts zu tun.

Von solchen Spitzfindigkeiten einmal abgesehen, ist bei einer näheren Betrachtung der Akteure der ALFA und Campus Reformer Freiburg eine wirkliche Abgrenzung von der AfD und JA nicht auszumachen.

Da wäre z.B. Philipp Porep zu nennen. Der 23-jährige Jura-Student ist Sprecher der Campus Reformer Freiburg und zudem auch Kandidat der ALFA für die kommende Landtagswahl in Baden-Württemberg. In seiner Freizeit ist er gerne mal als Schiedsrichter unterwegs…

Nebenbei ist Porep Fuxmajor im WS 15/16 der Burschenschaft Franconia. Diese fakultativ schlagende Verbindung ist unter anderem zusammen mit der Marburger Burschenschaft Alemannia im violett-grünen Kartell organisiert. Die Marburger Alemannia beteiligt sich alljährlich an dem sogenannten „Marktfrühschoppen“ in Marburg, an dem regelmäßig auch bekannte Nazis teilnehmen. Weitere Informationen, unter anderem auch zu Verbindungen der Alemannia zur AfD, findet ihr hier19.

Neben diesem überregionalen Zusammenschluss ist die Franconia auch Mitglied in der Örtlichen Burschenschaft (ÖB) Freiburg. In der ÖB sind neben der Franconia noch die Burschenschaft Teutonia und die bereits merhfach erwähnte Burschenschaft Saxo-Silesia aktiv. Die drei Burschenschaften haben es sich zum Ziel gesetzt, „unabhängig von Dachverbands- und über Bundgrenzen hinweg den Zusammenhalt der Burschenschaften untereinander zu stärken und die burschenschaftliche Arbeit voranzubringen.“20

Die ÖB organisiert mehr oder weniger regelmäßig Tagungen und Vorträge, die jeweils auf einem der Häuser der drei Burschenschaften stattfinden. Auch Porep war in der Vergangenheit stets bei diesen Zusammenkünften zugegen, so z.B. bei der ÖB-Kneipe im Juli 2014.

Dass die Franconia und insbesondere Porep keine Berührungsängste mit den Rechten von der Saxo-Silesia hat, zeigt auch seine Anwesenheit bei einem Vortrag des ex-Nazis und Jura-Professors Dietrich Murswiek auf dem Haus der Saxo-Silesia am 7.2.2014. Ganz unbekümmert hält er hier ein Pläuschen mit Dubravko Mandic.

Zwar entstanden diese Fotos noch zeitlich vor der Abspaltung der Campus Reformer von der Jungen Alternative. Poreps anhaltende Aktivitäten in der Franconia und somit auch in der ÖB zeugen jedoch von einer weiterhin bestehenden engen Verbindung. Offensichtlich bereiten Porep und der Franconia die Ansichten und Aktivitäten der Nazi-Burschenschafter und JAler von der Saxo-Silesia weiterhin keine Probleme. Auf Bundesebene gibt es zudem unter anderem mit der Marburger Alemannia gute Kontakte zu weiteren rechten Burschenschaften, die auch durch ihre Nähe zu Nazis auffallen.

Fragt sich nicht zuletzt auch, wie die aus der AfD und JA Ausgetretenen es all die Jahre mit Mandic und co. ausgehalten haben. Anscheinend war deren rassistisches und diskriminierendes Weltbild über all die Jahre kein Problem für Porep und die Campus Reformer. Denn auch schon 2014 waren die rechten Positionen von Mandic und der Saxo-Silesia kein Geheimnis mehr.

Ein eben so gutes Beispiel für die enge Verbindung zwischen Campus Reformer, JA und rechten Burschenschaften, ist Alexander Kaulen.

Kaulen ist im Vorstand der Campus Reformer und zudem Mitglied der Freiburger Burschenschaft Alemannia. Außerdem engagiert er sich im Studentenball e.V. der jährlich den Burschi-Tanzball im Peterhofkeller ausrichtet. Kritik an diesem sexistischen und elitären Spektakel formulierte im Januar 2015 die Freiburger Studierendenvertretung und forderte die Uni auf, dem Studentenball die Räumlichkeiten wieder zu entziehen.21

Wir erinnern uns: auch der JAler und mittlerweile bei der Saxo-Silesia Aktive Moritz Busam war einst Aktiver der Alemannia. Auf diversen Fotos ist er gemeinsam mit Alexander Kaulen zu sehen. Kaulen wiederum übt sich selbst fleißig darin, sich mehr rechts als liberal zu positionieren. Zu seinen „Gefällt mir“-Angaben auf Facebook gehört nicht nur die AfD, auch die neurechte „Junge Freiheit (JF)“ bekommt von ihm einen Daumen nach oben.

Zu Kaulens Facebook-Freunden zählen zudem der bereits oben erwähnte JA-Bundesvorstand und Freiburger Andreas Schumacher und Reimond Hoffmann.

Campus Reformer und auch die Burschenschaft Alemannia geben sich nur allzu gerne ein liberales Image. Dass die Grenzen zum rechten Rand dennoch fließend sind, zeigen die Beispiele Porep und Kaulen gut auf. Die formale Abgrenzung zur rechten JA scheint nicht vielmehr als ein Lippenbekenntnis zur Polierung des eigenen Images zu sein.

 

Die AV Merzhausia – „nur“ eine Damenverbindung?

Die Freiburger Damenverbindung AV Merzhausia gibt sich gerne das Image einer offenen und modernen Gemeinschaft. Im Unterschied zu den klassischen Männerbünden, sind in der AV Merzhausia nur Frauen korporiert. Dass diese Imitation der Männerbünde und ihrer Rituale nicht minder reaktionär ist als ihre männlichen Kollegen, wird an mehreren Stellen offensichtlich (mehr Infos zur Kritik an Frauenverbindungen: http://www.falsch-verbunden.net/?p=2438).

Ende des Jahres 2015 machte die Merzhausia vor allem mit ihrer Hetze gegen die Freiburger Studierendenvertretung und ihre Vertreter_Innen auf sich aufmerksam.22 In einem angeblichen „Geheimschreiben“ forderte die Merzhausia die über 30 Freiburger Verbindungen zu einer „Übernahme“ der alljährlich stattfindenden Vollversammlung der Verfassten Studierendenschaft auf. Ihr Plan war es gemäß dem Schreiben, dass jede Verbindung mit bis zu 10 Personen dort auftaucht, um so die Mehrheitsverhältnisse zu ihren Gunsten zu kippen. Dann sollte per Antrag der AStA-Vorstand gestürzt werden, da dieser sich zuvor laut der Merzhausia explizit „links“ eingeordnet hätte. Belegt wird diese „Erkenntnis“ der Merzhausia mit einem falsch zugeordneten Zitat aus einem StuRa-Protokoll. Da der Vorstand zudem von dem Legislativorgan der Verfassten Studierendenschaft, dem StuRa, gewählt wird, hätte der Vorstand selbst mit einer Mehrheit bei der Vollversammlung nicht seines Amtes enthoben werden können.

Lediglich 30-40 Korporierte folgten schließlich dem Aufruf der Merzhausia und kamen zur Vollversammlung. Nachdem aber auch die Verfasste Studierendenschaft verstärkt mobilisiert hatte, sahen sie sich einer überwältigenden Mehrheit an nicht-korporierten Student_Innen gegenüber. Nach einem kurzen Antrag bezüglich falsch-verbunden.net zogen die VerbindungsstudentInnen zähneknirschend davon.

Diese Vorgänge zeigen vor allem eins: mit demokratischen Prinzipien haben die Verbindungen und insbesondere die AV Merzhausia nicht viel am Hut. Vielmehr haben sie versucht, mittels offensichtlicher Falschbehauptungen und undemokratischen Verhaltens ihre eigene Politik durchzusetzen. Dass dies dennoch gescheitert ist, liegt nur an der besonnen Reaktion der Mehrheit der Studierenden, die sich nicht für die Machtspielchen der Merzhausia instrumentalisieren ließen.

Schaut man sich einmal die Mitglieder der Merzhausia und ihre Aktivitäten an, verwundert dieses fragwürdige Demokratieverständnis jedoch nur wenig. Im Gegenteil, die Merzhausia scheint beste Kontakte zu rechten Burschenschaften zu haben.

Nele Brunecker beispielsweise ist bereits seit fast 2 Jahren Aktive der AV Merzhausia. Auf Facebook ist sie nicht nur mit dem Nazi-Burschen Marcel Wolle sondern auch mit Dubravko Mandic befreundet. Auch die Aktive Linda Ehring zählt neben dem ex-Saxo-Silesen Jörg Haverkamp und Philipp Porep (Franconia und Campus Reformer) Dubravko Mandic zu ihren Freunden.

Doch die Aktivitäten gehen noch über bloße Facebook-Freundschaften hinaus:

So bewarb die Merzhausia bereits im November 2014 zusammen mit der Burschenschaft Saxo-Silesia eine Veranstaltung. Diese kriegt dann auch erstmal ein „Gefällt mir“ von der Merzhausia auf Facebook. Dass die Kontakte zur Saxo-Silesia weit über eine punktuelle Zusammenarbeit hinausgehen, zeigt auch die regelmäßige Anwesenheit von Saxo-Silesen bei „Events“ der AV Merzhausia, wie z.B. bei der Einweihungsparty zur Eröffnung des neuen Zuhauses der Merzhausia in der Turnseestraße 24 im November 2015.

Neben der Saxo-Silesia sind regelmäßig auch Vertreter anderer rechter Burschenschaften anwesend. Zu nennen sind hier insbesondere die Burschenschaft Alemannia, die Burschenschaft Teutonia und die pflichtschlagende Landsmannschaft Cimbria.

Ein „Gefällt mir“ auf Facebook bekommt neben der Saxo-Silesia übrigens auch die oben bereits erwähnte Burschenschaft Franconia, dessen Fuxmajor Philipp Porep bei den Campus Reformern aktiv ist.

Ein „geselliges Beisammensein“ gab es im Juli 2015 mit der Freiburger Landsmannschaft Neoborussia zu Halle.

Die Neoborussia ist übrigens unter anderem mit der Göttinger Landsmannschaft Verdensia zusammen im Coburger Convent (CC) organisiert. Die Göttinger Verdensia machte vergangenes Jahr vor allem dadurch auf sich aufmerksam, dass einer ihrer Mitglieder -der gleichhzeitg auch in der Jungen Alternative Mitglied ist- einen linken Studenten in Göttingen vom Fahrrad geschubst hat, woraufhin dieser sich mehrerer Operationen unterziehen musste. Siehe 23 und24.

Die Neoborussia war im Herbst 2015 offenbar Ziel eines Angriffes einer größeren Personengruppe und verurteilte diese „Gewalt“. Die Gewalt ihrer Göttinger Brüder scheint sie jedoch nicht so sehr zu interessieren…

Ende Januar 2016 gab es zudem eine Party zusammen mit der K.D.St.V. Hohenstaufen. Ein Alter Herr der Hohenstaufen ist übrigens mittlerweile Redakteur bei der neurechten Jungen Freiheit.25

Ein weiteres -mittlerweile ehemaliges- Mitglied hat vor einigen Jahren den Hitler-Gruß gezeigt.26

Schlussendlich lässt sich festhalten, dass die AV Merzhausia gute Kontakte zu den rechten Burschenschaften in Freiburg hat. An ihren Veranstaltungen nehmen regelmäßig Saxo-Silesen, Teutonen, Alemannen etc. teil. Daneben tut sich die AV Merzhausia hauptsächlich durch ihr fragwürdiges Demokratieverständnis und ihre Angriffe gegen die studentische Selbstverwaltung hervor. Die Merzhausia fungiert dabei anscheinend auch als Bindeglied zwischen einzelnen Verbindungen.

Fazit: Jahrelang konnte sich die akademische Rechte in Freiburg ein breites Netzwerk aufbauen. Maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt waren und sind Freiburger Studentenverbindungen. Aktive und Alte Herren der Burschenschaften Saxo-Silesia, Alemannia und Franconia haben nicht nur beste Kontakte zur (Neuen) Rechten in Freiburg und Baden-Württemberg sondern sind bisweilen selbst z.B. in der Jungen Alternative aktiv. Berührungsängste mit rechten Akteuren wie z.B. der Identitären Bewegung oder rechten Burschenschaften aus ganz Deutschland scheint es dabei offensichtlich nicht zu geben.

Keinen Fußbreit den Rechten!

Falsch-verbunden im Februar 2016

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.